Seminar: Kultur - Geschichte - Gesellschaft: Die Vermessung Wiens
Zitate zur 1. Einheit vom 10.3.2010
Politische Anmerkungen des Hofkriegsrats zu Wien, Oktober 1771
Michael Hochedlinger/Anton Tantner (Hg.): "... Der größte Teil der Untertanen lebt elend und mühselig". Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770-1771. (=Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband 8). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag, 2005, S.104 f.
"In der Stadt Wienn selbsten und in denen Vorstädten leichtet die üble Erziehung der Jugend zur Schande vor Fremden jederman ein. Buben von 5 bis 10 und 12 Jahren laufen besonders in allen Vorstädten auf denen Gassen häuffig mit Peitschen herum, beschimpfen nicht nur ohne Ansehen, wer ihnen zu Fuß, in Waagen oder zu Pferde vorkommet, sondern werfen auch darnach mit Steinen oder Koth, und die darneben stehende erwachsene Leuthe munteren sie durch das darüber bezeugende Wohlgefallen dazu zuweillen noch an. Aus dieser Ungezogenheit erfolget, daß alsdann das gemeine Volck überhaupt sehr grob werde und sich ein vorzügliches Vergnügen daraus mache, auf denen Gassen und in denen Kirchen der gesitteten Gattung Leuten auf die unanständigste Art zu begegnen.
Es bestehen zwar Befehle, daß die Gassen immer offen gehalten werden sollen, doch siehet man auf deren Vollzug nicht, und es stehen immer Bier- und Mehlwägen, Lehenkutscher und auch lere Wägen in denen engsten Gassen, wodurch fast kein Tag vergehet, [ohne] daß hier und da die Passagen durch manche Stunden gespehret seyen und um das Weiterkommen gezanket werde.
Das Singen der Studenten zur Nachtszeit und das Bettlen überhaupt ist zwar verbotten. Es beschihet aber dennoch forderist in Häußern gantz ungescheuet, und heist es, daß meistens die Weiber, Kinder und Anverwandte der Tagwächteren, oder weme diese sonsten dazu die Protection geben, am Tage auf denen Gassen und in denen Kirchen betleten.
In denen Kirchen ist es absonderlich zur Ergernuß und Verhinderung vom Gottesdienst, daß man nicht bedacht seye, aus selben die Hunde hindanzuhalten, deren offt eine gantze Menge darinnen angetroffen werden, weil man solche nicht nur hineinläst, sondern vielle die Gewohnheit haben, nicht nur ihre kleine Schoßhündlein, sondern wohl auch große förchterliche Fang- und Jagdhunde oder Budln mit sich zu nehmen, die hernach in denen Gotteshäußern zu bellen und zu rauffen anfangen, ohne die sonstigen Ungelegenheiten zu gedenken, die sie denen Leuten verursachen. Es wäre auch gut, wenn die unmündige Kinder in die Gotteshäußer nicht gelassen wurden, die durch ihre Ungebörden, Herumlauffen und Schreyen in denen Andachtsübungen nicht wenig Zerstreuung veranlassen.
Das Schiessen und die Feuerwerke sind zwar verboten, es geschihet aber dennoch in denen Vorstädten vielfältig, und es werd [!] in Garten nicht nur mit Schrotten auf Vögel, sondern auch mit Kugeln aus gezogenen Röhren nach der Scheiben geschossen."
Die chinesische Enzyklopädie des Jorge Luis Borges
Jorge Luis Borges, Die analytische Sprache John Wilkins', in: ders.: Das Eine und die Vielen. Essays zur Literatur, München 1966, 212, zitiert nach: Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge, 12. Auflage, Frankfurt am Main 1994, 17.
"a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Tolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen".
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